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2012

2012-08-14

Hilfe für Hund Harras

Greifswalder Forscher zeigen, dass sich mit kaltem Plasma chronische Wunden bei Haustieren erfolgreich behandeln lassen. Tierische Probanden für Studien gesucht.

In rund jedem dritten deutschen Haushalt lebt mindestens ein Haustier, zusammen eine Zahl von über 23 Millionen Tieren. Nicht immer beschränken sich die Kosten dafür auf Futter, eine regelmäßige Wurmkur und die jährliche Impfung. Auch Haustiere können ernsthaft erkranken und dann explodieren Tierarztkosten schnell. Besonders bei langwierigen Erkrankungen, dazu zählen chronische Wunden, summieren sich die Rechnungen schnell auf hunderte Euro.

Künftig könnte sich dieser Teil der Tierarztkosten verringern, nämlich dann, wenn es um chronisch entzündete Wunden geht. Eine Lösung dafür reift in Greifswald heran. Dort haben Forscher des Leibniz-Institutes für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP Greifswald) und der Universitätsmedizin mit physikalischem Plasma chronischen Wunden den Kampf angesagt.

Die Greifswalder Forscher arbeiten seit mehreren Jahren erfolgreich daran, sogenannte kalte Plasmen im Labor zu erzeugen und für verschiedene Anwendung nutzbar zu machen. Diese werden nun auch für die Medizin interessant, denn sie haben etwa Körpertemperatur, schonen das Gewebe und wirken nachweislich keimtötend.

Erste Behandlungserfolge an Haustieren

Zunächst testeten die Greifswalder Forscher das Plasma im Labor auf einer im Reagenzglas gezüchteten Epidermis. Die ersten Patienten waren dann die Schäferhunde Harras und Astor. Harras litt vier Jahre lang an einer chronischen Wunde an der Schnauze, bei Astor bildete sich nach einer Verletzung am Vorderlauf eine dauerhafte, großflächige Wunde. Bei beiden Tieren schlugen herkömmliche Verfahren wie Antiseptika, Salben, Verbände und selbst eine Wundoperation nicht an. Erst eine Behandlung mit der Kombination aus Plasma und dem gut verträglichen Antispetikum Polyhexanid führte zum Erfolg. Die Wunden schlossen sich und heilten nach mehrwöchiger Therapie tatsächlich vollständig ab.

Inzwischen behandelt Claudia Bender, Tiermedizinerin und Wissenschaftlerin der Universitätsmedizin Greifswald, versuchsweise seit über zwei Jahren chronische Wunden von Haustieren mit dieser neuen Methode. Dabei nutzt sie einen sogenannten Plasmajet, entwickelt in der Kooperation von INP und neoplas GmbH. „Wir als Forscher vermuten, dass Plasma die Zellen in der Wunde stimuliert und damit hilft, zelluläre Mechanismen der Wundheilung anzukurbeln“, sagt Bender. „Damit kann aus einer chronischen Wunde eine akute werden – mit guter Perspektive auf Heilung.“ Des Weiteren wirkt Plasma entkeimend. Es tötet Bakterien, die sich auf der Wunde ansiedeln. Und es wirkt gegen sogenannte Biofilme, das sind Mikroorganismen in Schleimschichten, die die Bakterien vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. Bakterien und Biofilme behindern die Wundheilung.

Große Hoffnungen setzt Claudia Bender auch auf die Plasmatherapie von seltenen Hauterkrankungen. Sie stützt sich dabei auf die erfolgreiche Behandlung eines Hundes, der unter der Autoimmunerkrankung Pemphigus foliaceus litt. Diese Erkrankung führte zu großflächigen Wunden im Gesicht des Tieres. Der Hund war lange erfolglos mit hohen Dosen Kortison behandelt worden. Eine solche Behandlung zieht häufig unerwünschte Nebenwirkungen nach sich, wie Heißhunger, dünnere Haut, Muskelabbau, Haarausfall oder sogar Diabetes. Auch hier setzte die Forscherin Plasma ein. Zusammen mit einer nur noch geringen Dosis Kortison führte das tatsächlich zum Erfolg. Die Wunden heilten vollständig.

Mittlerweile setzen auch andere Tierärzte Plasma zur Wundheilung, u.a. bei Pferden, ein.

Eine Chance für die Medizin der Zukunft

Eine Behandlung mit Plasma erfolgt schmerzfrei. Sie könnte in Zukunft Operationen ersetzen, die immer Risiken bergen und überdies teuer sind. Was die chronischen Wunden betrifft, sehen die Forscher eine synergistische Wirkung von Plasma in Kombination mit einem Antiseptikum. Allein angewendet, führte weder Plasma noch Antiseptikum zu vollständiger Heilung. Den Genesungsprozess durch die Kombination beider derart abzukürzen, könnte die Behandlungskosten wesentlich reduzieren.

Noch fehlt es in der Tiermedizin an einheitlichen Standards zur Behandlung chronischer Wunden, was eine optimale Behandlung erschwert. Um die Plasmamedizin in der Wundtherapie zu etablieren, braucht es klinische Studien, die bisherige positive Ergebnisse untermauern. Zum Ausschluss langfristiger Risiken der Behandlung fehlen Langzeitstudien.

Die Anwendung zum Nutzen des Menschen befindet sich noch in der Forschungsphase. Hingegen wären Behandlungen von Tieren in Praxen und Kliniken schon bald möglich. Tiermedizinische Studien mit Plasma zur Wundbehandlung sollen in Kürze beginnen. Dafür werden noch geeignete Probanden gesucht.

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2012-05-15

Auftaktveranstaltung "Wachstumskern Centifluidic Technologies": Großer Bahnhof für das Forschungsprojekt "Centifluidic Technologies"

Parchim: Am Montag, 07.05.2012, wurde der Startschuss für das Entwicklungsprojekt "Wachstumskern Centifluidic Technologies" gegeben. Zur Auftaktveranstaltung im Parchimer Innovations- und Technologiezentrum kamen neben den Projektpartnern zahlreiche offizielle Gäste aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Wirtschaftsministerium Schwerin sowie Vertreter aus Wirtschaft und Regionalpolitik.
Bei "Centifluidic Technologies" dreht sich alles um das zuverlässige Fördern, Mischen und Dosieren von Flüssigkeiten. Die Produktentwicklungen, die von den Projektpartnern nun gestartet werden, liegen alle im klar definierten Parameterfenster der Centifluidic. Hier geht es um Volumenströme von 1 µl/min bis zu 1 l/min und Drücke von 10 mbar bis 100 bar.
Die Anwendungen reichen von der präzisen, kontinuierlichen Medikamentengabe an Patienten über Testkassetten für Allergietests oder einem neuen Filter für die Leberdialyse bis hin zu automatisierten Tests zur Medikamentenwirksamkeit an Einzelzellen und einen Komponentenbaukasten für die Mikroreaktionstechnik. In insgesamt acht Verbundprojekten geht es in den nächsten drei Jahren sowohl um Grundlagenforschung als auch um die Entwicklung konkreter Produktprototypen.
Das Projekt wird durch das BMBF-Programm "Innovative regionale Wachstumskerne" mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Bereits jetzt sind bei den meisten Projektpartnern neue Arbeitsplätze entstanden. Bis 2020 ist die Schaffung von 200 zusätzlichen Arbeitsplätzen geplant.
Im Bündnis arbeiten Unternehmen aus Rostock (Albutec, Cytocentrics), Neustadt-Glewe (Dockweiler, Litronic), Schwerin (DST), Parchim (HNP Mikrosysteme, RoweMed) und dem brandenburgischen Rathenow (Plasotec) sowie Forschungseinrichtungen der Universität Rostock und Greifswald, das INP Greifswald sowie das Beckmann- Institut aus Oelsnitz zusammen.

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2012-01-17

Der Medizinische Verein Greifswald lädt ein: Weltweit erster Lehrstuhlinhaber für Plasmamedizin, Professor Thomas von Woedtke, hält seine Antrittsvorlesung

Quelle: Universitätsmedizin Greifswald, 17.01.2012

Am Mittwoch, den 18. Januar 2012, hält Prof. Thomas von Woedtke im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Medizinischen Vereins Greifswald e.V. und der Community Medicine, seine Antrittsvorlesung. Der Wissenschaftler ist Lehrstuhlinhaber des weltweit ersten Lehrstuhls für Plasmamedizin. Zur Veranstaltung um 18:30 im Hörsaal Nord des Neuen Klinikums (Sauerbruchstraße) sind interessierte Gäste recht herzlich willkommen.

Dieses neue Fach entwickelt sich an der Schnittstelle zwischen Plasmaphysik und Medizin. Unter einem Plasma versteht man einen vierten Aggregatszustand nach fest, flüssig und gasförmig, der entsteht, wenn einem Gas Energie zugeführt und es dadurch ionisiert wird. Die meisten natürlichen Plasmen sind heiße Plasmen, beispielsweise die Sonne oder Blitze. Durch Zufuhr elektrischer Energie lassen sich auch kalte Plasmen erzeugen. Einsatzfelder solcher Niedertemperatur-Plasmen in der Medizin sind die Sterilisation von Materialien und Medizinprodukten sowie die Herstellung von bioverträglichen Oberflächen, unter anderem bei Implantaten und Prothesen. Die direkte Anwendung am Menschen zur Unterstützung der Wundheilung ist Forschungsschwerpunkt des neuen Lehrstuhls Plasmamedizin.

Die plasmamedizinische Forschung umfasst ein sehr breites Spektrum von der Grundlagenforschung auf den Gebieten Plasmaphysik, Mikrobiologie, Zellbiologie, Immunologie und Hygiene bis zur anwendungsorientierten klinischen Forschung. In einer interdisziplinären Forschungskooperation zwischen dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP) und der Universitätsmedizin Greifswald werden diese innovativen Forschungen vorangetrieben. Damit gehört der Wissenschafts- standort Greifswald zu den internationalen Themenführern auf dem Gebiet der Plasmamedizin.

Der Greifswalder Pharmazeut Thomas von Woedtke ist seit dem 1. Juli 2011 der weltweit erste Professor für Plasmamedizin. Die Berufung an die Universitätsmedizin der Universität Greifswald erfolgte in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e. V. (INP Greifswald).

Pressekontakt:

Universitätsmedizin Greifswald

Klinik und Poliklinik für Neurologie
Direktor: Prof. Christoph Kessler
Neubau Sauerbruchstraße, 17475 Greifswald
Telefon: +49 3834 86-68 15
E-Mail: gmicheluni-greifswaldde
www.medizin.uni-greifswald.de

2012-01-12

Transferangebote auf einen B(K)lick - Leibniz-Gemeinschaft startet neues Portal zum Wissens- und Technologietransfer

Berlin/Greifswald/Kiel/Hamburg, 12.01.2012:

Heute startet mit www.leibniz-transfer.de ein Internetportal der Leibniz-Gemeinschaft mit weit über 200 Angeboten zum Wissens- und Technologietransfer. Unter dem Motto "Vielfalt und Exzellenz" bündelt das Leibniz-Transferportal die Kompetenzen, Dienstleistungen, Produkte und Technologien der Leibniz-Gemeinschaft.

Mit zur Zeit weit über 200 Transferangeboten aus 76 Leibniz-Instituten geht heute das neue Leibniz-Transferportal www.leibniz-transfer.de online. Unternehmen können damit über direkte Kontakte zur Wissenschaft den eigenen Forschungs- und Entwicklungsaufwand optimieren. Für Nichtregierungs- organisationen, Wissenschaftler anderer Einrichtungen sowie Personen aus Politik und Öffentlichkeit ist das Transferportal der direkte Weg, aus der Vielfalt der Leibniz-Forschung themenspezifisch neue Ansprechpartner für ihre Bedürfnisse zu finden.

Die Darstellung der Transferangebote ist Disziplinen übergreifend. Unter dem Motto "Vielfalt und Exzellenz" reichen die Angebote der Leibniz-Gemeinschaft von Qualifizierungsangeboten, Beratungs- leistungen und Informationsressourcen wie Datenbanken oder Bibliotheken bis hin zu Technologien, Patenten und Infrastrukturangeboten. Zudem können auch Kooperationspartner oder Gutachter über das Transferportal gefunden werden.

Einzigartig ist die dynamische Aufbereitung der Angebote in drei "Transferkarten", die sich derzeit noch im Aufbau befinden. Eine Transferkarte visualisiert die Angebote entlang der Branchenzugehörigkeit und regionalen Verortung der Auftraggeber ("Karte der Auftragsprojekte"). In der "Karte der Kooperationen" werden die Partner in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft regional visualisiert. Die "Karte der Transferverbünde" bildet die Angebote nach den Forschungsverbünden der Leibniz-Gemeinschaft ab.

Das Portal www.leibniz-transfer.de ergänzt die Internetauftritte der Einrichtungen und wird von der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft betrieben.

Die Erstellung des Portals erfolgte innerhalb des vom BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) geförderten Projekts ProfiTech (2010-2011). ProfiTech ist ein Modellvorhaben zur Professionalisierung des Wissens- und Technologietransfers in der Leibniz-Gemeinschaft. Unter der Koordination des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP Greifswald) waren folgende Partnereinrichtungen beteiligt:

    Leibniz-Institut für Astrophysik (AIP), Potsdam
    Institut für Deutsche Sprache (IDS), Mannheim
    Leibniz-Institut für Arterioskleroseforschung (Lifa), Münster
    Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT), Rostock
    Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
    Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf), Müncheberg

Pressebilder finden Sie hier

Kontakt

Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.
Felix-Hausdorff-Str. 2
17489 Greifswald

Franziska Hagen
Charlotte Giese (Elternzeit)
Stabsstelle, Kommunikation

Tel.: +49 3834 - 554 3886
Mobil: +49 159 040 10814
Fax: +49 3834 - 554 301

franziska.hageninp-greifswaldde
www.leibniz-inp.de

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