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Das im Folgenden beschriebene Vorhaben erhält finanzielle Unterstützung durch die europäische Union über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und das Land Mecklenburg-Vorpommern.

Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg

Ansprechpartner:

Dr. Uwe Netz
Wissenschaftlich-technischer Geschäftsleiter
Tel.: +49(0) 38355 6686 2603
uwe.netzinp-greifswaldde

Dr. Jana Kuhn
Wissenschaftlich-klinische Geschäftsleiterin
Tel.: +49(0) 38355 6686 2584
jana.kuhninp-greifswaldde

 

Das Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg als zentraler Bestandteil der Kooperation zwischen der Klinikgruppe Dr. Guth GmbH & Co. KG und dem INP ist auf dem Gebiet der kliniknahen Forschung, Entwicklung sowie Anwendung innovativer Technologien in der Medizin tätig. Mit den neu geschaffenen Laborräumen direkt im Klinikum Karlsburg werden innovative Produktideen direkt im Klinikalltag entwickelt und getestet- ein komplett neuer Ansatz für den Transfer von Forschungsergebnissen in Mecklenburg-Vorpommern – aber auch deutschlandweit.

Alle Entwicklungen können durch die Nutzung der KDK-Labore vollumfänglich begleitet werden. So ist es möglich mit Patientenproben direkt in die Probenaufbereitung zu gehen – sowohl für die Mikrobiologische Analyse, wie auch zahlreich molekularbiologische Standardmethoden, wie Viabilitätstest im High-throuput screening, bis hin zur Transcriptomanalyse. Besonders die Möglichkeit direkt Vorort aus Patientenmaterial isolierte Zellen in real-time-Versuchen unter kontrollierten Bedingungen über mehrere Tage hinweg analysieren zu können, eröffnen Möglichkeiten neuentwickelte Produkte hinsichtlich Zytotoxizität oder aber auch Wachstumssteigerung bis hin zur Migrations- und Adhäsionsanalyse zu testen. Diese Methoden sind auch für Verbundforschungen zusammen mit Biotechnologieunternehmen interessant, da sich hiermit in kurzen Zeiten verschiedene Testreihen parallel analysieren lassen. Weiterhin bietet das Physiklabor die Möglichkeit auch schnelle Veränderungen an den Prototypen direkt vor Ort vornehmen zu können. Neben einer Auswahl verschiedener 3D Druckmaterialien stehen hierfür zahlreiche Diagnostiken für optische Analysen und Messplätze für verschiedenste Anwendungen für z.B. Hochspannungsuntersuchungen, zur Verfügung. Eine kleine Feinmechanikwerkstatt rundet unser Angebot ab.

Je nach Bedarf stehen am KDK für verschiedene Verbundprojekte zahlreiche Möglichkeiten neue Produkte direkt im klinischen Alltag zu entwickeln, und dabei permanent auf eine umfassende Mikrobiologische und Zellbiologische Grundlagenforschung auf der einen Seite und diverse physikalische Diagnostiken und Messplätze bis hin zum rapid prototyping auf der anderen Seite zugreifen zu können. Diese einmalige Konstellation von kliniknaher Verbundforschung mit direkter Beteiligung von Klinikern, Physikern und Biologen zusammen mit den Verantwortlichen aus der Industrie stellt ein Novum in M-V dar, welches das KDK für die Entwicklung innovativer Medizinprodukte und neuer Diagnostiken prädestiniert. Die Erprobungsmuster bzw. Prototypen können in einem weiteren Schritt dann in präklinischen Tests auf Biokompatibilität und in klinischen Tests auf ihre Praktikabilität im klinischen Alltag direkt am Patienten analysiert und weiterentwickelt werden. Dies kann individuell auf neue Medizinprodukte wie auch neue Therapien, Diagnostiken und auch Präventionsmethoden angepasst werden. Selbstverständlich kann auch in dieser Projektphase auf die modern ausgestatteten Physik- und Molekularbiologielabore zugegriffen werden.

Der Multifunktionsbau mit insgesamt 2000 Quadratmetern besitzt im Basisgeschoss einen aseptischen OP-Saal, Labore sowie Seminar- und Arbeitsräume für Wissenschaftler, Klinikpersonal und Industriepartner. Im Obergeschoss ist der Klinikbereich mit 24 Betten untergebracht, in denen Patienten mit chronischen Wunden und Infektionen behandelt werden, welche nach ihrer Aufklärung und erfolgter Zustimmung in zukünftige klinische Studien und Produktentwicklungen eingebunden werden können. Hierbei steht vor allem die klinikbegleitende Forschung mit räumlicher Nähe zum Patienten im Vordergrund, wobei derzeit insbesondere Innovationen auf dem Gebiet der Wundheilung – wie beispielsweise die Plasmamedizin oder neue Diagnoseverfahren erforscht werden. Nur in dieser Konstellation aus Forschern, Ärzten und Pflegern in direktem Kontakt mit den Entwicklungsabteilungen der verschiedenen Firmen wird es möglich sein, Daten direkt am Patienten zu erfassen und mit den Ergebnissen der Grundlagenforschung zu korrelieren – das Ganze im Dienste der Entwicklung innovativer Medizinprodukte.

Speziell in der Plasmamedizin - also der Anwendung kalter physikalischer Plasmen, deren biologisch aktive Bestandteile sehr kurze Halbwertzeiten aufweisen - wird diese Nähe zum Patienten von entscheidendem Vorteil. Hierbei werden vor allem die kurzen Wege zwischen Behandlungszimmer / OP und den Laboren für Zell- und Molekularbiologie auf der einen Seite und der Physik auf der anderen Seite zahlreiche Impulse für Innovationen in Bereich der Medizintechnik und der Anwendung kalter Plasmen im Klinikbereich ergeben. Gleiches gilt für innovative Produkte zur Diagnostik, die nun auch im Klinikalltag getestet und weiterentwickelt werden können. Auch hier wird ein direktes Feedback von Patienten und Ärzten einen entscheidenden Vorteil in der Produktentwicklung darstellen, da sie hiermit kurze Feedbackschleifen und schnelle Iterationen ergeben, was die Entwicklung von Prototypen enorm beschleunigt.

Projektthemen

Das im August 2017 gestartete Projekt "Ausstattung für das Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg zur Durchführung interdisziplinärer Verbundforschungen" wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit des Landes Mecklenburg-Vorpommern aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung der Europäische Union mit insgesamt 2,5 Mio. Euro gefördert und hat zum Ziel die Infrastruktur in Form einer Laborausstattung für die patientennahe anwendungsorientierte Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Behandlung chronischer Wunden am Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg bereitzustellen.

Für die Diagnostik von Entzündungen / Wunden gibt es derzeit kein allgemeingültiges Konzept – meist obliegt es den Kliniken wie die Diagnostik abläuft. Üblicherweise ist eine visuelle Analyse der Entzündungs- bzw. Wundsituation und die Bestimmung von Entzündungsparametern im Blut der erste Handlungsstrang.

Neben einem erfolgreichen Einsatz der von der Firma OT-aktiv GmbH entwickelten intelligenten Einlegesohle stellt die frühe Diagnostik von Entzündungen einen weiteren Aspekt dieser Studie und der interdisziplinären Arbeiten des Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg am Klinikum Karlsburg dar. Sollte sich die anvisierte Verbesserung der Diagnostik von Entzündungen durch die neuentwickelten Einlegesohlen durch diese Studie belegen lassen, wäre dies ein enormer Fortschritt für viele Diabetespatienten mit einem hohen Risiko für die Entwicklung eines Diabetisches Fußsyndroms, da sich die Entwicklung von chronischen Wunden möglicherweise rechtzeitig vermeiden lassen. Die Vermeidung von Krankenhausaufenthalten mit ihren preisintensiven Behandlungen würde sowohl die Kliniken als auch die Krankenkassen entlasten, und somit hohe Beträge im Gesundheitssystem einsparen.

Die von der Diaspective Vision GmbH entwickelte Spektroskopiekamera soll in Kombination mit verschiedenen molekularbiologischen Methoden gemeinsam weiterentwickelt werden, in dem das Spektrum der Kamera auf einen neuen Wellenlängenbereich erweitert werden soll, um damit bakterielle Biofilme bzw. Bakterien sichtbar zu machen. Durch die Detektion von bakteriellen Markern in den Wundflüssigkeiten und deren Korrelation mit den aufgenommenen Fluoreszenzspektren soll eine innovative und vor allem nicht-invasive Methode zur schnellen Wundbeurteilung entwickelt werden. Das KDK Teilprojekt wird neben der Bereitstellung und Betreuung einer spezifischen Patientenkohorte mit den Untersuchungen der Wundexsudate eine zentrale Rolle in der Aufklärung der bakteriellen Belastung in chronisch infizierten Wunden einnehmen. Die molekulare Analyse der löslichen Wundbestandteile als Reaktion auf eine Infektion (also der Nachweis bakterieller Bestandteile sowie humaner Signal- und Botenstoffe) läuft parallel zur zeitaufwändigen mikrobiellen Detailanalyse. Da diese löslichen Bestandteile durchaus auch spektroskopisch aktiv sein können, sind diese Untersuchungen aus zweierlei Hinsicht wichtig: Erstens zur frühzeitigen Analyse einer mikrobiellen Besiedlung, und zweitens als Hinweis bzw. Bestätigung der Anwesenheit von Molekülen, welche mithilfe der Hyperspektralanalyse detektiert werden sollen. Da sich mit den molekularbiologischen Methoden auch die Mengen abschätzen lassen können (semiquantitative ELISA), könnten somit auch die Detektionslimits der Hyperspektralkamera ausgelotet werden. Dies ist von besonderer Bedeutung für deren späteren Einsatz, da es für den klinischen Alltag von hoher Bedeutung ist, sowohl die Art als auch die Menge der Mikroorganismen zu kennen und zu lokalisieren. Mit dieser an den jeweiligen Patienten angepassten Diagnostik (Bakteriendetektion) soll es später einmal möglich sein, Bakterien direkt in den Wunden sichtbar zu machen, diese gegebenenfalls sogar zu identifizieren und somit eine zeit- und kosteneffiziente Diagnose und damit ein schnelles Einleiten entsprechend auf die Bakterien angepasster Therapien zu entwickeln.

Fettgewebe enthält Stammzellen und spezielle Botenstoffe, die sich positiv auf die Heilung von verschiedenen Krankheiten und Wunden auswirken. Erste Studien belegen, dass sie effektiv zur schnelleren Heilung von chronischen Wunden beitragen.

In dem vom Technologie-Beratungs-Institut (TBI) geförderten Projekt „ActiHeal“ wird eine neuartige Methode entwickelt, um die regenerativ wirksamen Zellen zu aktivieren und für eine klinische Anwendung aufzubereiten. Dabei sollen körpereigene Zellen (plus die freigesetzten Botenstoffe) auf Wunden aufgetragen werden und somit zu einem beschleunigten Wundverschluss beitragen. Da eine enzymatische Zellisolierung mit höheren Kosten und möglichen Sicherheitsbedenken behaftet ist sowie teilweise eine geminderte Wirksamkeit aufweist, wird hier eine nicht-enzymatische Isolierung bevorzugt.

Hierzu entwickeln WissenschaftlerInnen des KDK zusammen mit der Human Med AG und der Universität Rostock ein Gerät, welches zur enzym-freien Isolation der stromalen vaskulären Fraktion (SVF) und letztlich zur Anreicherung der darin enthaltenen, regenerativ wirksamen Zellen aus körpereigenem Fettgewebe dienen soll. Bei der stromalen vaskulären Fraktion (SVF) wird dem menschlichen Körper durch Fettabsaugung entnommenes Fettgewebe mit Ultraschall behandelt, um Stammzellen und andere Wachstumszellen zu separieren.

Eine besondere Herausforderung ist es, den neu entwickelten, innovativen Isolations- und Applikationsprozess im Einhandprinzip und ohne substanzielle Bearbeitung der Zellen in klinischen Anwendungen zu überprüfen. In einem Schritt werden hierbei die Zellen isoliert, aufgereinigt und wieder dem Patienten verabreicht ohne dass der OP verlassen werden muss.

Darüber hinaus soll eine kombinierte Plasmamodulation dieser Zellen untersucht werden. Durch den Einsatz regenerativer Zellen in Verbindung mit einer entsprechend angepassten Plasmabehandlung der gewonnenen körpereigenen SVF sollen die Vorteile der beiden Technologien noch besser ausgenutzt, und entsprechend aufeinander abgestimmt werden. Zunächst soll kaltes Plasma die Isolation der regenerativen Zellen aus dem – per Liposuktion - abgesaugten Fettgewebe unterstützen. Weiterhin soll geprüft werden, ob eine Behandlung mit kaltem Plasma die gewonnenen Zellen auch stimulieren kann. Dabei kann auf die langjährigen Erfahrungen der INP-ForscherInnen im Umgang mit kalten Plasmen zurückgegriffen werden. Kalte Plasmen sind energiegeladene Gase im angeregten Zustand, die ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit bereits in der Behandlung chronischer Wunden unter Beweis gestellt haben.

Im Verbundprojekt AutoImmun entwickelt das Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg (KDK) in Zusammenarbeit mit der Firma EUROIMMUN ein neues Testsystem zur Diagnostik von Diabetes mellitus Typ 1. Ziel des Projektes ist es, einen schnellen und einfach anwendbaren Test zu realisieren, der diabetes-assoziierte Autoantikörper gegen Glutamat-Decarboxylase (GAD65), Tyrosinphosphatase (IA-2) und Insulin bereits im Frühstadium aufzeigt. AutoImmun erarbeitet damit eine funktionale Alternative zu bisher verwendeten Methoden.

Das Projekt-Team setzt diesbezüglich bei der Nutzung eines Chemilumineszenz-Immunassays an. Chemilumineszenz-Immunassay ist eine Methode, um bereits geringste Spuren von Antikörpern im Organismus nachzuweisen. Sie basiert auf der chemischen Reaktion eines Antigens mit einem Antikörper. Bei diesem Phänomen wird ein Teil der frei werdenden Energie in Form von sichtbarem Licht emittiert, welches dann gemessen wird. Bisher gilt der Radioimmunassay in der Diagnostik für Diabetes mellitus Typ 1 als Goldstandard. Allerdings ist die Durchführung durch den Einsatz radioaktiv markierter Antigene relativ zeitaufwändig und beansprucht einen entsprechenden Sicherheits- und Technikaufwand.  

Ferner zielt das Verbundprojekt AutoImmun darauf ab, Alternativen zur Diagnostik von Typ1-Diabetes-Autoantikörpern zu erforschen. Eine mögliche Alternative zum Nachweis der Autoantikörper könnte der direkte Nachweis der diabetes-assoziierten Autoantigene Glutamat-Decarboxylase (GAD65) und Tyrosinphosphatase (IA-2) im Körper sein, da die Bildung der Autoantikörper die Freisetzung der Autoantigene aus geschädigten Betazellen voraussetzt. Erste Untersuchungen zum Nachweis von GAD65-Antigenen zeigten die prinzipielle Realisierbarkeit dieses Ansatzes. Der Nachweis der Autoantigene wäre nicht nur für die Prädiktion und Differentialdiagnostik des Diabetes von Interesse, sondern auch von Relevanz für das frühzeitige Erkennen einer Transplantatabstoßung bei Patienten nach Inselzelltransplantation.

Im Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg sollen die im Projekt entwickelten Chemilumineszenz-Immunassay-Testsysteme auf ihre Sensitivität und Spezifität überprüft werden. In enger Zusammenarbeit mit dem Klinikum Karlsburg werden dann Entwicklung und Validierung der speziellen Bioanalytik Methode mit klinisch charakterisierten Patientenproben durchgeführt.

Parallel dazu sollen medizinische Aspekte erforscht werden. Im Interesse steht dabei, ob sich die Messung der Autoantikörper auch zur Überwachung des Krankheitsverlaufs bei Patienten mit Diabetes Typ 1 eignet und ob sie Hinweise für beginnende Spätfolgen liefern könnten. Für dieses Teilvorhaben werden klinische Verlaufsproben von neu manifestierten Typ 1 Diabetes-Patienten über einen Zeitraum von 2 Jahren erhoben und die Korrelation der Markerlevel mit dem Krankheits- und Therapieverlauf untersucht.

Der Nachweis einzelner Autoantikörper ist das früheste Zeichen des Autoimmunprozesses. Das Risiko, einen Diabetes mellitus Typ 1 zu entwickeln, steigt mit der Konzentration, der Anzahl und der Spezifität verschiedener Autoantikörper. Die Chancen für eine erfolgreiche therapeutische Intervention sind zum Zeitpunkt eines Einzel-Autoantikörper-Nachweises am größten. Durch den Einsatz automatisierbarer, sensitiver Autoantikörper-Screenings können Diabetes-Erkrankungen Typ1 zukünftig bereits im Frühstadium erkannt und behandelt werden.

Das Projekt zielt auf die Messung absoluter Ionendichten (MAID) mittels experimentelle Bestimmung hochfrequenter Stromsignale ab. Es wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, 466331904) als Sachbeihilfe gefördert.

Eine offene Fragestellung bei der Diagnostik von Plasmaentladungen in Atmosphärendruck ist die messtechnische Bestimmung der absoluten Ionendichten. Die bekannten Verfahren der relativen Messungen mit kommerziellen Massenspektrometern und die Zugänge zu Absolutwerten mittels Aktinometrie-basierten Verfahren sowie Modellierung liefern nur für vereinzelte Modellsysteme mit entsprechenden Randbedingungen verlässliche Ergebnisse. Das hier vorgestellte Projekt adressiert die Bestimmung der absoluten Ionendichte im Plasma durch die messtechnische Auswertung von selbstangeregten ionenakustischen Wellen (IAW) auf dem Stromsignal. Aus Voruntersuchungen ist bekannt und rechnerisch nachvollzogen worden, dass bei Überschreiten einer unteren Ionendichte die Ionen selbst bei Atmosphärendruck-Bedingungen zu oszillieren beginnen [1,2]. Durch Auswertung der Oszillationsfrequenz, die der Ionen-Plasmafrequenz entspricht, kann die absolute Ionendichte zu dem gemessenen Zeitpunkt bestimmt werden [3]. Die im Projekt geplanten Arbeiten zielen darauf ab, ein in Argon getestetes Verfahren in eine universell verwendbare Diagnostik zu überführen.

Innerhalb des Projektes sollen dabei folgende wissenschaftliche Fragestellung gelöst werden:

  • Gibt es Abhängigkeiten des Auftretens der IAW von der Ionenpolarität (ist neben positiven Ionen auch die Beobachtung negativer Ionen möglich) und der Gaszusammensetzung
  • Worin liegt die Natur der Anregung der IAW – Selbstanregung oder durch den steilen Strompuls extern angeregt
  • Ist es möglich auch in einer Einzelfilament-Entladung die IAW zu beobachten und welche Parameter sind daraus extrahierbar
  • Lassen sich die IAW durch Anpassung der Modellierung vorhersagen
  • Ist eine externe Anregung der IAW möglich und lässt sich so das Detektionslimit experimentell steuern

Neben der erprobten und funktionierenden transienten Funkenanordnung soll die Diagnostik auf eine dielektrisch behinderte Entladung (DBD) mit breiterer wissenschaftlicher Datenbasis angewandt werden. Die DBD ermöglicht den Betrieb bei verschiedenen Gassorten sowie Zumischungen. Zur Interpretation der Oszillationen und Identifikation der Ionen wird eine begleitende Modellierung die zu erwartenden Dichten und dominanten Ionen bestimmen. Am Ende des Projektes soll die bisher passive Diagnostik in eine aktive Diagnostik durch Einkopplung einer hochfrequenten Anregung überführt werden. Diese aktive Diagnostik ließe sich im Erfolgsfall an eine beliebige Anordnung koppeln, um so die Ionendichten zu vermessen.

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Foto der transienten Funkenentladung sowie elektrisches Messsignal der ionenakustischen Welle [2,4]
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Foto der dielektrisch behinderten Entladung (DBE) sowie die rechnerische Vorhersage des Auftretens einer ionenakustischen Welle in der DBE in Luft [5]

Wissenschaftliche Projektleitung:
Dr. Torsten Gerling
Tel.: +49(0) 38355 6686 2601
gerlinginp-greifswaldde

[1] Gerling, T. (2014). Beiträge zur optischen und elektrischen Charakterisierung des dynamischen Verhaltens von Plasmaspezies in Atmosphärendruck-Plasmen [Ernst-Moritz-Arndt University Greifswald]. ub-ed.ub.uni-greifswald.de/opus/frontdoor.php

[2] Gerling, T., Bussiahn, R., Wilke, C., & Weltmann, K.-D. (2014). Time resolved ion density determination by electrical current measurements in an atmospheric pressure argon plasma. Europhys. Lett., 105, 25001. doi.org/http://dx.doi.org/10.1209/0295-5075/105/25001

[3] Gerling, T., Wilke, C., & Becker, M. M. (2020). Fast electrical diagnostics and dispersion relation for ion density determination in an atmospheric pressure argon plasma. Journal of Physics D: Applied Physics, 54(8), 85201. doi.org/10.1088/1361-6463/abc5e8

[4] Bussiahn, R., Brandenburg, R., Gerling, T., Kindel, E., Lange, H., Lembke, N., Weltmann, K.-D., von Woedtke, T., & Kocher, T. (2010). The hairline plasma - an intermittent negative dc-corona discharge at atmospheric pressure for plasma medical applications. Applied Physics Letters, 96(14), 143701. doi.org/10.1063/1.3380811

[5] Höft, H., Kettlitz, M., Hoder, T., Weltmann, K.-D., & Brandenburg, R. (2013). The influence of O 2 content on the spatio-temporal development of pulsed driven dielectric barrier discharges in O 2 /N 2 gas mixtures. Journal of Physics D: Applied Physics, 46(9), 95202. stacks.iop.org/0022-3727/46/i=9/a=095202

Projektträger:

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Das im Folgenden beschriebene Vorhaben erhält finanzielle Unterstützung durch die europäische Union über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und das Land Mecklenburg-Vorpommern. Im Fokus des Verbundforschungsvorhabens steht die Neuentwicklung eines Gerätes, das die ambulante Anwendung von Plasma ermöglicht.Zu diesem Zweck entwickelt OT aktiv ein Gerät, welches die mobile Plasmaanwendung standardisiert. Die Geräteentwicklung wird durch die Partner INP und das Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg (KDK) unterstützt und in einer stationär-ambulant übergreifenden Anwendungsbeobachtung (AWB) vergleichend erprobt.
Die AWB wird durch den Partner die Unimedizin Rostock begleitet und durch indikationsgerechte, bereichsübergreifende Behandlungspfade gestützt. Das neu entwickelte Gerät stellt dabei einen Baustein zur Vernetzung der an der Wunde beteiligten Akteure dar. Ende 2022 soll ein produktreifer Prototyp fertiggestellt werden.

Motivation:
Die chronische Wunde ist in ihrer unterschiedlichen Ausprägung und Lokalisation ein komplexes, flächendeckendes Gesundheitsproblem von dem in Deutschland etwa 1 Millionen Menschen betroffen sind. Aufgrund der oftmals jahrelang bestehenden Probleme durchläuft der betroffene Patient typischerweise eine Odyssee über verschiedenste diagnostische und therapeutische Einrichtungen. Eine Chance zur Verbesserung besteht in der Mobilmachung der Plasmatherapie, die sich in der Klinik als zukunftsweisend und heilungsfördernd bewiesen hat. Dieser Ansatz wird insbesondere einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern gerecht und könnte Versorgungslücken schließen.

Wissenschaftliche Projektleitung:
Dr. Torsten Gerling
Tel.: +49(0) 38355 6686 2601
gerlinginp-greifswaldde

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Das Verbundforschungsvorhaben „P-Array“ hat die Aufskalierung der intensiv erforschten Plasmajet-Technologie sowie eine Erhöhung der Mobilität durch einen Akkumulator zum Ziel. Dafür erhält das beschriebene Vorhaben finanzielle Unterstützung durch die europäische Union über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und das Land Mecklenburg-Vorpommern (TBI-V-1-361-VBW-124).

Der Plasmajet-Array muss dabei sowohl die Wirksamkeit sicherstellen als auch die aktuell und zukünftig geltenden Zulassungsbedingungen erfüllen. Am INP und dem Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg (KDK) wird dabei, aufbauend auf jahrelangen Vorarbeiten, ein Funktionsmuster der aufskalierten Plasmajet-Technologie unter Beachtung vorgeschriebener Sicherheitsparameter erforscht sowie die Wirksamkeit nachgewiesen. Die neoplas med GmbH entwickelt parallel ein Gerätekonzept samt Akkumulator. Beide Arbeitsgebiete werden dann anschließend samt Ergonomie Betrachtungen zu einem Gerät zusammengeführt. In diesem Zuge werden auch finale sicherheitstechnische Fragen beantwortet. Mit dem so entstehenden Gerät soll fortan der Weg zu einem neuen Medizinprodukt mit Akkumulator und großflächiger Behandlung geebnet werden.

Motivation

Patienten mit Wundheilungsstörungen entwickeln mitunter großflächige chronische Wunden, die wesentliche Einschränkungen für das tägliche Leben bedeuten können. Für dieses Problem gibt es nach wie vor keinen etablierten Therapieansatz. Mit Hilfe der Plasmamedizin, der Behandlung von nicht heilenden bis hin zu austherapierten Wunden mit kalten Atmosphärendruck Plasmen, soll eine gezielte Therapie für diese Problemstellung entwickelt werden. Dabei stellt sich besonders die praktische Frage nach der punktuellen Behandlung bei lokalen Störungen der Wundheilung und einer großflächigen Behandlung der gesamten Wunde. Medizinisch zugelassene Gerätschaften auf Basis des Plasmajets sind bisher auf den kINPen® MED beschränkt.

Wissenschaftliche Projektleitung:
Dr. Torsten Gerling
Tel.: +49(0) 38355 6686 2601
gerlinginp-greifswaldde

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Kontakt

Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.
Felix-Hausdorff-Str. 2
17489 Greifswald

Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann
Vorstandsvorsitzender und wissenschaftlicher Direktor, Forschungsbereichsleiter Umwelt & Gesundheit

Tel.: +49 3834 - 554 314
Fax: +49 3834 - 554 301

weltmanninp-greifswaldde
www.leibniz-inp.de

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