Im Sommer 2016 wurde in der koreanischen Hauptstadt Seoul das „Applied Plasma Medicine Center“ gegründet, ein gemeinsames Projekt von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie (INP) und des Plasma Bioscience Research Institute der Kwangwoon University. Jetzt ziehen Experten beider Forschungsstandorte anlässlich eines internationalen Workshops in Greifswald eine erste Bilanz.
Während die medizinische Anwendung von kalten Atmosphärendruckplasmen in zahlreichen deutschen Kliniken etabliert ist, steht dieser Schritt im asiatischen Raum noch bevor. Seit 2013 sind drei Plasmageräte in Europa zugelassen, darunter der am INP entwickelte kINPen® MED. Es ist absehbar, dass weitere Produkte in diesem Bereich auf den Markt kommen werden. Derzeit gestaltet es sich jedoch schwierig, diese Geräte und deren Wirksamkeit ebenso wie deren Sicherheit miteinander zu vergleichen. Daher haben das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie sowie das Plasma Bioscience Research Institute der Kwangwoon University Seoul ihre Forschungsaktivitäten gebündelt, um gemeinsame Standards und Diagnostiken in der Plasmamedizin zu definieren. Mit der offiziellen Eröffnung des „Applied Plasma Medicine Centers“ (APMC) im Februar 2017 wurde diese Zusammenarbeit im Rahmen des ersten APMC- Workshops institutionalisiert. Erstmals wurde ein Leibniz-Institut zum Partner eines koreanischen Exzellenzforschungsprogramms.
„Wir streben eine Harmonisierung der Testmethoden für Plasmageräte an und wollen vergleichbare Ergebnisse erzielen“, sagt der Leiter des Forschungsschwerpunkts Plasmamedizin am INP, Prof. Thomas von Woedtke. „Das Ziel ist, eine internationale Norm zu etablieren, um Plasmatechnologien weltweit auf neue Anwendungsbereiche in der Medizin übertragen zu können.“
Im ersten Jahr seit Eröffnung des APMC waren Forscher des INP an insgesamt 126 Tagen in Seoul, um die jeweils unterschiedlichen Methoden und Geräte zu testen. Die bei dieser Forschungsarbeit gewonnenen Daten sollen den Schritt in den Klinikalltag vorbereiten. „Genehmigungsverfahren für medizinische Produkte sind in Korea genauso aufwändig wie in Deutschland“, sagt Dr. Kai Masur, Leiter der Forschungsgruppe Plasma-Wundheilung am ZIK plasmatis, einem interdisziplinären Forschungszentrum am INP. „Wir empfinden es als große Ehre, dass wir unsere koreanischen Partner auf diesem Weg begleiten können.“
Bei einem zweiten Workshop des APMC am 22./23. März im Biotechnikum Greifswald wollen Plasma-Forscher aus beiden Ländern über die bisherigen Ergebnisse und Erfolge berichten. Die Veranstaltung findet im Anschluss an den Internationalen Workshop on Plasma for Cancer Treatment (IWPCT) statt, zu dem am 20./21. März rund 120 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 21 Ländern in der Universitätsmedizin Greifswald und im INP erwartet werden.