Geschichte
Plasmaforschung mit Tradition
Seit gut hundert Jahren experimentieren Physikerinnen und Physiker mit ionisierten Gasen, die sie seit den späten 1920er Jahren Plasmen nennen. Zu diesen Pionieren zählte Rudolf Seeliger, als er 1918 an das Physikalische Institut der Greifswalder Universität kam und eine auf seinem Gebiet international beachtete Schule begründete. Paul Schulz, ebenfalls renommierter Physiker, gründete 1946 in Greifswald die Forschungsstelle für Gasentladungsphysik, angesiedelt bei der Akademie der Wissenschaften. Seine Forschungen ermöglichten u.a. den Bau von Xenon-Hochdrucklampen, die noch heute für spezielle Zwecke verwendet werden. 1950 erhielt die Forschungsstelle den Status eines regulären Instituts für Gasentladungsphysik, das 1969 dem Akademie-Zentralinstitut für Elektronenphysik (ZIE) Berlin zugeordnet wurde.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das ZIE gemäß dem Einigungsvertrag, wie alle anderen Institute der Akademie der Wissenschaften im Osten Deutschlands, zum 31. Dezember 1991 aufgelöst. Auf der Grundlage der Evaluation der Forschungsleistungen empfahl der Wissenschaftsrat der Bundesrepublik die Gründung eines neuen Instituts, vollzogen am 1. Januar 1992. Von Anfang an gehörte die neue Einrichtung, das Institut für Niedertemperatur-Plasmaphysik (INP Greifswald), zur Leibniz-Gemeinschaft. Um Leibniz als Namenspatron sowie seinen Anspruch – "theoria cum praxi" – deutlich als Instituts-Strategie zu würdigen, nannte sich das INP, anlässlich seines 15-jährigen Bestehens 2007, in Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. um.
Am 29. September 2022 beging das INP sein 30-jähriges Jubiläum und erneuerte seinen Anspruch an die enge Verflechtung von Grundlagenforschung und angewandter Wissenschaft.