Was heute in einer Biogasanlage entweicht und bislang in die Atmosphäre geht – abgetrenntes und emittiertes biogenes CO₂ – kann zukünftig mithilfe von Wasserstoff, der mit erneuerbarem Strom per Elektrolyse aus Wasser erzeugt wird, zu Methanol umgesetzt werden. Methanol ist ein erneuerbarer und gut speicherbarer Kraftstoff, der auch direkt in der Landwirtschaft als Treibstoff für Landmaschinen eingesetzt werden kann.
Am 10. September 2026 ist an der Hochschule Stralsund eine Containeranlage zur Synthese von grünem Methanol im Beisein des Wirtschaftsministers des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Wolfgang Blank, eingeweiht worden. Sie entstammt dem Verbundprojekt „Dezentrale Methanolsynthese“ der Partner Leibniz Institut für Plasmaforschung und Technologie e. V., TAB Maschinen- und Stahlbau GmbH Barth, Hochschule Stralsund, Leibniz-Institut für Katalyse e.V. und Fraunhofer Institut für Keramische Technologien und Systeme. Das Projekt ist eines der Teilprojekte des WIR!2-Bündnisses biogeniV zur Verwertung biogener Reststoffe. „Mecklenburg-Vorpommern bietet beste Voraussetzungen, um Strom aus erneuerbaren Energien bereitzustellen und diesen unter Verwertung biogener Reststoffe zu innovativen Produkten für unsere Wirtschaft weiterzuverarbeiten“, so Dr. Wolfgang Blank, „die Methanol-Syntheseanlage ist dafür ein starkes Beispiel – und das „made in MV“. Hier werden Wissenschaft, Wirtschaft und regionale Ressourcen zusammengebracht – und genau solche gemeinsamen Projekte brauchen wir, um nachhaltige Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze im Land zu sichern und somit die Chancen der Energiewende zu nutzen“, so der Minister weiter.
Die Verbundpartner haben die Anlage in drei Jahren gemeinsamer Arbeit konzipiert. Sie ist auf den dezentralen Betrieb und damit das Anwendungsfeld typischer Hofbiogasanlagen ausgelegt. In der Anlage erfolgt, mittels Katalyse bei rund 240 Grad Celsius und erhöhtem Druck von 40 bar, die Umwandlung von CO₂ und Wasserstoff in ein Methanol-Wasser-Gemisch, von dem das Wasser nachträglich abgeschieden wird. Die Druckverhältnisse innerhalb des Systems werden gezielt so gesteuert, dass die thermischen Prozesse stabil ablaufen. „Der Prozess demonstriert, dass wir grünen, also regenerativ erzeugten Wasserstoff in einer Flüssigkeit lagern können – mit der Option, ihn potenziell weltweit zu transportieren“, erklärt Prof. Dr. Johannes Gulden vom Institut für Regenerative EnergieSysteme der Hochschule Stralsund.
Der weitere Ausbau der Anlage ist Gegenstand eines aktuell gestarteten Schwesternprojekts. Dabei soll neben der Aufskalierung die gesamte Prozesskette weiterentwickelt werden: Vorgesehen sind die Aufbereitung des Biogases und die Abtrennung des darin enthaltenen CO₂ mittels Membrantechnologie, eine Plasmastufe zur Prozessoptimierung der Methanolsynthese, eine Elektrolyseanlage zur lokalen Wasserstoffproduktion sowie die anschließende Aufkonzentrierung des Methanols. Ziel ist es, die Technologie direkt an einer Biogasanlage einzusetzen und das erzeugte Methanol für die landwirtschaftliche Nutzung bereitzustellen. Eine Produktionsleistung von bis zu 36 Litern Methanol pro Tag soll mit dieser Demonstrationsanlage erreicht werden.
Gestartet im Jahr 2022 als „Biogene Reststoffverwertung für die grüne Transformation“, wird das Verbundprojekt biogeniV im Rahmen des Programms WIR! „Wandel durch Innovation in der Region“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie regional im östlichen Mecklenburg-Vorpommern gefördert. In allen Teilprojekten zählt es mehr als 55 Partner aus Industrie, Forschung und Kommunen.
„Wir sehen grünes Methanol aus der Region als einen wichtigen Baustein für eine resiliente und klimafreundliche Zukunft“, sagt Michael Galander. Der Bürgermeister der Hansestadt Anklam ist Sprecher des Bündnisses, „wir haben diese Reststoffe in großem Maß in unserer Region verfügbar und können auch den erforderlichen grünen Strom aus Wind und Solar bereitstellen“.