Lichtbogenlabor
Das Lichtbogenlabor dient vorrangig anwendungsorientierten Forschungen zur Erhöhung der Zuverlässigkeit und Lebensdauer von Schaltgeräten. Dazu werden Experimente an Lichtbögen im Vakuum oder auch bei Normaldruck durchgeführt. Spezifische Anordnungen erlauben, das Verhalten der Lichtbögen sowie die Belastung der Elektroden in Schaltern der Nieder-, Mittel- oder Hochspannungstechnik bei unterschiedlichen Pulslängen nachzustellen, etwa durch geeignete Elektrodenanordnungen in Vakuumkammern oder die Verwendung von Abbranddüsen. Gleichzeitig können die Aufbauten für Grundlagenuntersuchungen an Hochstrom-Lichtbögen und ihrer Interaktion mit Elektroden, Wänden und externen Magnetfeldern genutzt werden. Ein Alleinstellungsmerkmal des Labors ist die Ankopplung spezifischer optischer Diagnostik zur physikalischen Analyse der Lichtbögen. So erlaubt die optische Emissionsspektroskopie die Messung von Temperaturen und Speziesdichten im Lichtbogen und daraus die Bestimmung aller relevanten Plasmaeigenschaften.
Hochgeschwindigkeitsanalysen dienen der Untersuchung der Struktur und Dynamik. Zugänglich ist auch die Oberflächentemperatur von Elektroden.
Der Laboraufbau umfasst insbesondere:
- Versuchsstand zum Betrieb von Hochstrom-Lichtbögen mittels Stoßstrom-Generatoren mit folgenden Parametern (Spitzenwerte): Sinusförmiger Stromimpuls 80 kA/5 ms, 40 kA/10 ms, oder 25 kA/20 ms, Rechteckimpulse bis 10 kA/2 ms oder 2kA/10ms, flexible Elektrodenanordnung einschließlich Antrieb zur Elektrodenseparation
- Vakuumkammer einschließlich Elektrodenhalterung und einseitigem Antrieb sowie umfangreichen Zugängen für Sondenmessungen und optische Diagnostik
- Elektrische Messtechnik und optische Sensorik (Photodioden) zur Aufnahme von Zeitreihen von Strom, Spannung und Strahlungssignalen in ausgewählten Spektralbereichen einschließlich spezifischer Auswerteverfahren
- 0.5 bzw. 0.75 m Spektrographen mit intensivierten CCD-Kameras (Einzelbilder mit Belichtungszeiten im Zeitbereich von ns bis ms) zur optischen Emissionsspektroskopie, insbesondere für zeitlich, räumlich und spektral hochauflösende Messungen von Spektren im Spektralbereich von 300 nm bis 900 nm bei einer spektralen Auflösung von ca. 0.05 nm
- Hochgeschwindigkeitskameratechnik für bis zu 70000 frames/s zur Lichtbogenbeobachtung einschließlich spektral selektiver Filter (schmalbandige MIF, Kantenfilter, Polfilter) und speziellen Optiken für die parallele Beobachtung mit zwei unterschiedlichen Filtern (Doppelbildoptik) und einer Kamera
- Höchstgeschwindigkeitskamera (4 unabhängige Bilder innerhalb von z.B. 5 ns mit Belichtungszeiten ab 3 ns) sowie Streakkamera (Zeitauflösung <1 ns, eine Ortsdimension) für die Beobachtung von Zündvorgängen im ns-Bereich
- Thermografie/Pyrometrie zur berührungslosen Messung von Temperaturen von Oberflächen u.a. von Elektroden Die Diagnostikeinrichtungen (Spektroskopie, Hochgeschwindigkeitskamera und Thermografie) sind auch mobil verfügbar und können für externe Messungen eingesetzt werden.